Unsre Inspiration aus Kindheitstagen

Magnetisches Angelspiel von J.W. Spear & Söhne 1933/1941 © Museen der Stadt Nürnberg, Deutsches Spielearchiv Nürnberg

Fischgeschichte(n)-Fischen

Solange unsere Ausstellung am Nordwestbahnhof noch nicht öffentlich zugänglich ist, begrüssen wir Euch in unserem digitalen Sammelgefäss für historische Fisch-Geschichte(n): Es ist dies ein „Fischteich“ mit fisch-spezifischen Appetithappen aller Art, die uns Expert*innen mit unterschiedlichsten sozialem und beruflichem Hintergrund zugetragen haben. Eine frisch geangelte Auswahl wollen wir hier – in chronologischer Reihenfolge geordnet – zur visuellen und akustischen Verkostung anbieten:

1548

Wolfgang Schmelzl, „Lobspruch der Hochlöblichen weit berümbten Khünigklichen Stat Wienn in Österreich“

  • Als ich sodann zum Fischmarkt kam,
    Mich noch viel stärker Wunder nahm
    Der selt’nen Fische große Menge,
    Es war von Fischern stark Gedränge.
    Von Böhmen, Mähren, Ungarland,
    Vierzehn Wagen mit Hausen ich fand.
    Hab‘ nie gesehen solche Sach‘,
    Dionysi Fischer zu mir sprach:
    Mein Freund, glaub’t mir, man brachte her,
    So fünfthalb hundert ungefähr (…).

Eingereicht von Andreas Nierhaus, Kunsthistoriker und Kurator, Wien.

1726

Ferdinando Luigi Marsigli, „Über die Donaufische“

  • (…) (Der Hausen) verbirgt sich im Winter in tiefen Höhlungen, aus welchen er im Frühling von den Eisbrocken, die mit der ganzen Kraft der Donau heftig bis zum Flussgrund hinabsinken, vertrieben wird, was nicht selten mit Verletzungen verbunden ist, da die Eisbrocken auf seiner Wanderung in tiefere Gründe, um Eier abzulaichen, oft seinen Rostrum zerschellen. Die Fischer behaupten, dass nicht nur diese, sondern alle übrigen Klassen der Hausen, die sich aus dem Schwarzen Meer flussaufwärts bewegen, wobei die zuerst durchgekommenen eine hellere Farbe haben, sich bei unbeständigem Frühling ins Meer zurückziehen, um im Juli [wieder in den Strom] zurückzukehren. Ungefähr im Herbst steigen sie wieder in die Tiefe hinab, um Schlupfwinkel und Überwinterungsplätze aufzusuchen. Daher wird der Hausen nur im Frühling und im Herbst gefangen; man nimmt nämlich an, dass er im Sommer aus der Donau wandert. Im Winter können die Fischer sich jedoch nicht mit den Netzen dem Abgrund, in dem die Fische sich verbergen, annähern (…).

Quelle: aus dem Lateinischen übersetzt für: Der Fluss. Eine Donau-Anthologie der anderen Art, hrsg. von Edit Király und Olivia Spiridon 2018. Eingereicht von Olivia Spiridon, Literaturwissenschaftlerin, Tübingen.

1778

Joseph Daniel von Huber, „Vogelschauplan der Stadt Wien mit ihren Vorstädten“

Karten-Ausschnitt mit Markierungen historisch ‚fischrelevanter‘ Orte in der Wiener Innenstadt: Fischmärkte „Am Schanzl“ (1) und „Hoher Markt“ (2), Kirche der Fischer – Maria am Gestade (3).

Quelle: Der auf 24 Blatt erschienene Vogelschauplan der Stadt Wien mit ihren Vorstädten von Joseph Daniel von Huber beruhte im Wesentlichen auf einer 1769 bis 1773 entstandenen kartografischen Aufnahme der Stadt, deren Manuskriptversion Huber 1773 seiner Auftraggeberin, Maria Theresia, übergeben konnte. Hubers Werk zählt zu den bedeutendsten kartographischen Darstellungen Wiens. Siehe: Wien Geschichte Wiki. Eingereicht von Michael Hieslmair und Michael Zinganel, Tracing Spaces.

1816

Franz Schubert, „Fischerlied D 351“

  • Das Fischergewerbe
    Gibt rüstigen Mut!
    Wir haben zum Erbe
    Die Güter der Flut.
    Wir graben nicht Schätze,
    Wir pflügen kein Feld;
    Wir ernten im Netze,
    Wir angeln uns Geld.

1826

Johann August Krafft: „Der Fischmarckt“, Radierung

Quelle: Verlag Artaria, Sammlung Wien Museum. Eingereicht von Martina Nußbaumer, Kulturwissenschafterin und Kuratorin, Wien Museum.

1874

Donau-Regulierungs-Commission, Cajetan Felder, „Plan der Donauregulierung bei Wien“

Quelle: Felder, Cajetan (1874), Die Gemeinde-Verwaltung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien in den Jahren 1871 bis 1873. Bericht des Bürgermeisters Cajetan Felder vorgelegt dem Gemeinderathe im November 1874. Wien, Abschnitt XIII, o.S.

  • „Als eine der wenigen Großststädte Europas liegt Wien am Oberlauf eines dynamischen Stroms – ein Strom der im Wiener Becken vor seiner umfassenden Regulierung im 19. und 20. Jahrhundert in unzählige kleine und größere Arme verzweigt war und ein sich ständig veränderndes Geflecht von Inseln und Sandbänken, Wasser- , Wald- und Wiesenflächen bildete (Hohensinner 2019a). Einerseits unentbehrliche Versorgungsader und wirksamer militärischer Schutz, war die Donau andererseits eine unberechenbare Bedrohung und Barriere für das Stadtwachstum nach Norden und Osten. Immer wieder trat sie über die Ufer, überschwemmte ausgedehnte Gebiete und erodierte auch besiedeltes Terrain.“

Quelle: Aus der Dissertation von Friedrich Hauer, 2019. Eingereicht von Friedrich Hauer, Stadtforscher und Umwelthistoriker, Wien.

1904

Zentralfischmarkt am Donaukanal

Am Donaukanal oberhalb der heutiegen Salztorbrücke entstanden zwei Fischverkaufshallen mit zwölf Verkaufsständen für Großhändler mit einer zentralen Kühlanlage. Lebend-Fische wurden in Reusen gehalten, die im Donaukanal eingehängt waren.

Zur gleichen Zeit expandierte auch die Firma Nordsee mit eigenen Verkaufsständen auf den Wiener Märkten. 1907 eröffnete das Unternehmen am alten Naschmarkt (am Karlsplatz in Verlängerung der Wiedener Hauptstrasse in Richtung Kärntnertor) einen prachtvoll gestalteten Fischverkaufskiosk. Eingereicht von Michael Hieslmair und Michael Zinganel, Tracing Spaces.

1890-1940

Nordsee, Seefischtransportwagen

Spezieller Kühlwaggon für den Seefischtransport, wie sie von der Firma Nordsee auf der Strecke von von Bremerhafen zum Wiener Nordwestbahnof eingesetzt wurden, auf dem das Unternehmen 1920 eine Fischfabrik errichten liess, die bis in die 1980er Jahre in Betrieb war.

Quelle: Minitrix  N51322200 Modelleisenbahn. Eingereicht von Michael Hieslmair, Tracing Spaces.

1957

Österreichischer Gewerkschaftsbund, „Werde Mitglied deiner Gewerkschaft“

Fische kommen auch in politischen Kampagnen zum Einsatz: z.B. um die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen im politschen Kampf zu betonen, als Warnung, dass andernfalls die Großen die Kleinen fressen, oder auch um – positiv besetzt – die eigene „Wendigkeit zu betonen oder – negativ besetzt – die Schlüpfrigkeit des politischen Gegners hervorzuheben.

Quelle: Bildarchiv der Nationalbibliothek. Eingereicht von Tracing Spaces.

1970er

Iglo, Fischstäbchen-Fabrik Bremerhaven

Gepresste Fischfilets werden zu großen Eisblöcken tiefgefroren, in immer kleinere Blöcke zerschnitten, bis sie schließlich in der Größe eines Fischstäbchen paniert, fritiert und wiederum tielgekühlt werden.

  • Mehr als 3.500 Tonnen Fischstäbchen pro Jahr finden den Weg auf unsere Teller und machen es zum beliebtesten Tiefkühlfischgericht Österreichs. Die Idee zum Fischstäbchen entstand aber eigentlich aus der Not. Denn Mitte der 1950er Jahre war der Fleischhunger in Großbrittannien extrem groß – aber kaum zu stillen. Fisch gab es damals hingegen im Überfluss. Fisch wurde daher auch als alternative gesunde Nahrung – vor allem für Kinder – propagiert. Um Kindern das Essen von Fisch auch schmackhaft zu machen, kam die Idee, panierten Fisch in Stäbchenform auf den Markt zu bringen.

Quelle: Iglo Österreich, Pressematerialien anlässlich der 60 Jahr Feier 2019. Eingereicht von Tracing Spaces.

1980er

Fischfabrik Warhanek, Frauenarbeitsmigration – Beschäftigung ansässiger statt angeworbener Migrantinnen

Fischfabriken, traditionell Orte feminisierter Arbeit, werden in Wien ab Mitte der 60er Jahre mit dem Beginn der Anwerbung von „Gastarbeiterinnen“ zunehmend „ethnisiert“. Am Beispiel der Wiener Fischfabrik C. Warhanek lassen sich die Veränderungen in der Beschäftigungspolitik des Unternehmens nachvollziehen und Einblicke in die bislang wenig beachteten Geschichten der Arbeitsmigration von Frauen nach Österreich gewinnen:

Foto: Privatarchiv Cvijeta Bojanović. Quelle: Gastarbajteri Station Fischfabrik C. Warhanek, Autorin und Kuratorin der Station: Vida Bakondy. Copyright: gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigration, 2004 Initiative Minderheiten / Wien Museum:  www.gastarbajteri.at. Eingereicht von Vida Bakondy, Migrationsforscherin, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien.

2015

Protestlied einer isländischen Fischfabriksarbeiterin, Text und Gesang: Jónína Björg Magnúsdóttir

Zum Kontext: Das Gehalt von Fischfabriksarbeiterinnen deckte 2015 nicht einmal das von den offiziellen Behörden vorgegebene Minimum an Lebenshaltungskosten. Der reguläre Lohn mit Bonus betrug 260.000 kr. Der Gewinn der Fischerei beträgt 40-60 Milliarden kr. pro Jahr. Die Dividenden belaufen sich auf 6-12 Milliarden kr. pro Jahr. Wenn 500 Menschen an Land für HB-Grandi arbeiten, würde eine Lohnerhöhung um 50.000 Kr. pro Monat das Unternehmen etwa 300 Millionen pro Jahr kosten. Diese Loherhöhung verweigerte das Unternehmen, weil es die Dividenden an die Firmeneigentümer nicht von 2,7 Milliarden auf 2,4 Milliarden senken wollte. Quelle: Musik-Video auf YouTube.

Eingereicht von Matthäus Bär

2019

Wien Museum, „Der Wal ist gerettet!“

Der legendäre Walfisch aus dem Prater wurde 2013 vor der Zerstörung bewahrt und drei Jahre später dem Wien Museum übergeben. Nach einer aufwändigen Restaurierung wartet er im Depot auf seinen großen Auftritt in der Dauerausstellung des neuen Wien Museums.

Einige Aspekte zur Geschichte des Walfisches sowie seiner Restaurierung sind im Wien Museum Online-Magazin in Form eines Videobeitrags (16min) präsentiert, vorgestellt von der Restauratorin Regula Künzli. Eingereicht von Michael Werner Schwarz, Kurator, Wien Museum.

2019

Zentrum für Umweltgeschichte (Hrsg.), „Wasser Stadt Wien – Eine Umweltgeschichte,“ Universität für Bodenkultur Wien, Technische Universität Wien, Wien 2019

  • „Überfischung, Gewässerverschmutzung, Donauregulierung und immer mehr Dampfschiffe sorgten im 19. Jahrhundert für einen dramatischen Rückgang der Fischbestände in und um Wien. Den Engpass versuchte man durch Meeresfische aus der Nordsee und der Adria auszugleichen – gekühlt geliefert mit der Eisenbahn.“

Quelle: Beitrag in der Publikation von Gertrud Haidvogl, „Fisch in Wien. Von Hausen und Karpfen zu Kabeljau und Co“. Ein Textauszug daraus wurde unter dem Titel „Als der Fisch knapp wurde“ im Wien Museum Online-Magazin veröffentlicht. Eingereicht von Gertrud Haidvogl, Umwelthistorikerin, BOKU Wien.

Zeitlos

da Fischa, Ernst Molden, Gesang: Willi Resetarits

Quelle: Erschienen auf dem Album “Schdrom”, Monkey Music, 2016, einem Liederzyklus über die Donau im Auftrag des Nationalparks Donau-Auen anlässlich dessen 20-Jahr Feier.